Du öffnest eine Packung Naturtofu und fragst dich, ob darin ein Fermentationsprozess steckt oder ob der Block einfach nur aus Sojamilch entsteht. Die kurze Antwort lautet: Gewöhnlicher Tofu ist nicht fermentiert, sondern wird durch ein Gerinnungsmittel fest. Ich zeige dir, wie die Herstellung funktioniert, welche Sojaprodukte tatsächlich fermentiert sind und was das für Wok-Gerichte und Saucen bedeutet.
Die schnelle Einordnung für deinen Einkauf
- Naturtofu entsteht durch das Gerinnen von Sojamilch, nicht durch Fermentation.
- Nigari, Calciumsulfat oder Calciumchlorid sorgen dafür, dass das Sojaeiweiß ausflockt.
- Räuchertofu und marinierter Tofu sind ebenfalls nicht automatisch fermentiert.
- Fermentierter Tofu ist ein eigenes Produkt, etwa chinesisches Furu mit kräftigem, salzigem Umami-Geschmack.
- Miso, Sojasauce, Tempeh und Natto gehören zu den bekannten fermentierten Sojaprodukten.

Ist Tofu fermentiert oder gerinnt er nur?
Naturtofu ist normalerweise nicht fermentiert. Bei der klassischen Herstellung werden Sojabohnen eingeweicht, mit Wasser püriert, gekocht und filtriert. Die dabei gewonnene Sojamilch wird anschließend mit einem Gerinnungsmittel versetzt, sodass das Eiweiß ausflockt und zu einer festen Masse wird.
Dieser Vorgang ähnelt eher der Herstellung von Quark als der von Sauerkraut oder Joghurt. Das Bundeszentrum für Ernährung beschreibt Tofu deshalb als Produkt, bei dem die Sojaflüssigkeit durch ein Salz wie Nigari zum Gerinnen gebracht und anschließend gepresst wird. Mikroorganismen müssen dabei nicht arbeiten, und eine Reifezeit ist für normalen Tofu nicht erforderlich.
Das Einweichen der Bohnen über Nacht ist ebenfalls keine Fermentation. Es macht die trockenen Sojabohnen weich und erleichtert das Zerkleinern. Erst wenn gezielt Bakterien, Hefen oder Schimmelpilzkulturen eingesetzt werden und sich Geschmack sowie Struktur über eine bestimmte Zeit verändern, spricht man von Fermentation.
So entsteht ein klassischer Tofublock
Die Herstellung lässt sich in wenige gut verständliche Schritte teilen. Ich finde diese Unterscheidung besonders hilfreich, weil sie sofort erklärt, warum Naturtofu geschmacklich so mild bleibt und weshalb er Saucen hervorragend aufnimmt.
- Einweichen: Getrocknete Sojabohnen werden meist über Nacht in Wasser gelegt.
- Zerkleinern und Kochen: Die Bohnen werden mit Wasser püriert und erhitzt.
- Filtrieren: Flüssige Sojamilch und feste Faserbestandteile, das sogenannte Okara, werden getrennt.
- Gerinnen: Nigari, Calciumsulfat oder ein anderes Fällungsmittel lässt das Sojaeiweiß ausflocken.
- Pressen: Die entstandene Tofumasse wird entwässert und in Formen gepresst.
Nigari besteht hauptsächlich aus Magnesiumchlorid und wird traditionell aus Meerwasser gewonnen. Calciumsulfat wird ebenfalls häufig verwendet. Beide Stoffe sind keine Fermentationskulturen, sondern helfen dabei, die Proteine aus der Sojamilch zu verbinden.
Je nach Menge des Gerinnungsmittels, Wassergehalt und Pressdruck entstehen unterschiedliche Sorten. Seidentofu bleibt weich und cremig, während fester Naturtofu weniger Wasser enthält und sich besser zum Braten oder für knusprige Wok-Gerichte eignet.
Welche Sojaprodukte tatsächlich fermentiert sind
Die Verwechslung entsteht oft, weil Tofu neben mehreren fermentierten Sojaprodukten im Kühlregal oder im Asia-Markt liegt. Die Ausgangszutat Soja sagt allein noch nichts über die Herstellung aus. Entscheidend ist, ob Mikroorganismen gezielt eingesetzt werden und das Produkt während einer Reifezeit verändern.
| Produkt | Fermentiert | Typischer Geschmack und Einsatz |
|---|---|---|
| Naturtofu | Nein | Mild, nimmt Marinaden und Woksaucen gut auf |
| Räuchertofu | Nein | Rauchig und würzig, direkt anbratbar |
| Tempeh | Ja | Nussig und kompakt, ideal zum Braten |
| Miso | Ja | Salzig und umamireich, für Saucen und Suppen |
| Sojasauce | Oft ja | Würzig, salzig und tief-aromatisch |
| Furu oder fermentierter Tofu | Ja | Sehr würzig, salzig und cremig, als Würzmittel |
Tempeh wird aus ganzen oder grob zerkleinerten Sojabohnen hergestellt, die mit einer Pilzkultur verbunden werden. Dadurch bleibt die Bohnenstruktur sichtbar und das Produkt wird deutlich bissfester als Tofu. Beim Furu, auch chinesischer fermentierter Tofu genannt, wird Tofu gezielt gereift und anschließend meist in einer würzigen Lake aufbewahrt.
Auch Miso und traditionell hergestellte Sojasauce sind fermentierte Würzmittel. Allerdings unterscheiden sich Herstellungsverfahren und Reifezeit je nach Produkt. Ich achte bei Saucen deshalb auf die Zutatenliste und die Bezeichnung „traditionell gebraut“, statt jede dunkle Sojasauce automatisch gleich einzuordnen.
Räuchertofu, marinierter Tofu und Tofu in Lake richtig einordnen
Räuchern ist keine Fermentation. Der Tofu wird nach der normalen Herstellung dem Rauch ausgesetzt und erhält dadurch sein typisches Aroma. Er kann sofort verwendet werden und braucht keine Reifezeit durch Bakterien oder Pilzkulturen.
Auch eine Marinade aus Sojasauce, Öl, Knoblauch oder Gewürzen macht aus Naturtofu kein fermentiertes Lebensmittel. Sie verändert vor allem den Geschmack und kann etwas Flüssigkeit in die Oberfläche bringen. Bei einem verpackten Produkt sollte die Bezeichnung auf der Vorderseite deshalb nicht allein entscheidend sein.
Tofu in Wasser oder Lake ist ebenfalls nicht automatisch fermentiert. Die Flüssigkeit schützt den Block vor dem Austrocknen und hilft bei der Lagerung. Ein säuerlicher, stechender Geruch, Schleim oder ungewöhnliche Verfärbungen sind kein Zeichen für eine erwünschte Reifung, sondern ein Grund, das Produkt nicht mehr zu verwenden.
Beim Einkauf genügt meist ein Blick auf die Zutatenliste. Stehen dort hauptsächlich Sojabohnen, Wasser und ein Gerinnungsmittel, handelt es sich in der Regel um klassischen Tofu. Wird ausdrücklich „fermentiert“, „Furu“ oder eine vergleichbare Bezeichnung genannt, liegt ein spezielles fermentiertes Produkt vor.
So nutze ich Tofu und fermentierte Zutaten in Woksaucen
Gerade in der Wok-Küche ist die Unterscheidung praktisch. Naturtofu liefert die Struktur, während fermentierte Zutaten die Sauce aromatisch vertiefen. Der Tofu muss also nicht selbst fermentiert sein, um ein kräftiges, komplexes Gericht zu ergeben.
Naturtofu für eine ausgewogene Wok-Sauce
Für zwei Portionen brate ich etwa 200 bis 250 Gramm festen Tofu in Würfeln oder Streifen knusprig an. Erst danach kommen Gemüse und Sauce in die Pfanne. So bleibt die Oberfläche goldbraun und weicht nicht sofort durch die Flüssigkeit auf.
- 1 Esslöffel Sojasauce
- 1 Teelöffel Reisessig
- 1 Teelöffel Miso
- 1 Teelöffel Ahornsirup oder Zucker
- 2 bis 3 Esslöffel Wasser
- etwas Ingwer, Knoblauch oder Chili
Miso bringt fermentierte Tiefe, Reisessig sorgt für Säure und die Sojasauce liefert Salz und Umami. Ich gebe diese Mischung erst gegen Ende dazu, weil Miso bei großer Hitze schnell an feinem Aroma verliert. Für eine dickere Glasur reicht ein halber Teelöffel Speisestärke, vorher in kaltem Wasser angerührt.
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Fermentierter Tofu als Würzmittel
Furu ist deutlich intensiver als Naturtofu und wird meistens nicht wie ein normaler Tofublock in Würfel geschnitten. Schon ein halber bis ein Teelöffel kann eine Sauce für zwei Portionen kräftig würzen. Ich kombiniere ihn gern mit etwas Wasser, Reiswein oder Sesamöl, bevor die Mischung in den Wok kommt.
Der Geschmack ist salzig, cremig und je nach Sorte pikant oder leicht süßlich. Wer damit noch nicht gekocht hat, sollte sparsam beginnen. Mehr Furu lässt sich jederzeit ergänzen, eine übersalzene Sauce lässt sich dagegen nur schwer retten.
Was die Fermentation für Geschmack und Verträglichkeit bedeutet
Fermentation verändert die Ausgangszutat deutlich. Mikroorganismen bauen je nach Verfahren bestimmte Kohlenhydrate und Eiweißbestandteile um. Dadurch entstehen neue Aromen, Säure und oft ein ausgeprägtes Umami, also ein herzhafter, lang anhaltender Geschmack.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jedes fermentierte Produkt gesünder oder für jeden leichter verträglich ist. Fermentierte Würzmittel enthalten häufig viel Salz, und bei Tofu oder Tempeh hängt die Verträglichkeit auch von der individuellen Menge und Zubereitung ab. Eine kleine Portion Miso in der Sauce ist etwas anderes als mehrere Esslöffel sehr salzige Sojasauce.
Bei selbst angesetzten Fermentationen mit Tofu wäre ich vorsichtig. Tofu ist eiweißreich und feucht, also ein empfindliches Lebensmittel. Für den Alltag sind industriell hergestellte Produkte mit klarer Kennzeichnung und Kühlhinweisen die verlässlichere Wahl. Naturtofu sollte nach dem Öffnen gekühlt, sauber entnommen und innerhalb der auf der Packung angegebenen Zeit verbraucht werden.
Die Küchenregel, die Verwechslungen verhindert
Für den schnellen Überblick reicht eine einfache Regel: Tofu wird normalerweise geronnen, Tempeh, Miso und viele Sojasaucen werden fermentiert. Räuchern, Marinieren oder das Aufbewahren in Lake sind eigene Verarbeitungsschritte und verändern diese Einordnung nicht.
Wenn ich ein mildes, vielseitiges Grundprodukt für ein Wok-Gericht brauche, greife ich zu festem Naturtofu. Für mehr Tiefe ergänze ich Miso, traditionell gebraute Sojasauce oder eine kleine Menge Furu. So bleibt der Tofu angenehm wandelbar, während die fermentierten Zutaten genau dort wirken, wo sie den größten Unterschied machen: in der Sauce.
