Hiroshima-Okonomiyaki selbst machen - so gelingt der Klassiker

Isabel Thiel 20. Juni 2026
Ein herzhaftes Okonomiyaki Hiroshima, übergossen mit Sauce und Mayonnaise, bestreut mit Bonitoflocken und Schnittlauch.

Inhaltsverzeichnis

Knuspriger Teig, süßer Kohl, gebratene Nudeln und eine kräftige Sauce auf einem Teller: Das Okonomiyaki aus Hiroshima ist deutlich mehr als ein japanischer Pfannkuchen. Ich zeige, wodurch sich der Hiroshima-Stil vom bekannten Osaka-Okonomiyaki unterscheidet, welche Zutaten wirklich wichtig sind und wie die Spezialität auch in einer deutschen Küche gelingt.

So gelingt der herzhafte Streetfood-Klassiker aus Hiroshima

  • Schichtprinzip: Die Zutaten werden nicht vermischt, sondern nacheinander aufeinandergelegt.
  • Nudeln: Yakisoba oder Udon machen die Spezialität besonders sättigend.
  • Grundausstattung: Kohl, Schweinebauch, Ei, Mehlteig und Okonomiyaki-Sauce bilden die klassische Basis.
  • Zubereitungszeit: Für zwei Portionen sollten Sie ungefähr 35 bis 45 Minuten einplanen.
  • Wichtigster Fehler: Zu viel Teig macht das Gericht schwer und nimmt dem Kohl seine lockere Struktur.

Ein Okonomiyaki im Hiroshima-Stil, überbacken mit geschmolzenem Käse, Oliven und würzigen Toppings.

Was den Hiroshima-Stil so besonders macht

Beim Hiroshima-Okonomiyaki werden die Zutaten geschichtet statt vermengt. Zuerst kommt ein dünner Crêpe aus Mehlteig auf die heiße Platte, darauf folgen fein geschnittener Kohl, Bohnensprossen und Schweinefleisch. Die Nudeln werden separat gebraten und später mit Ei und den übrigen Schichten verbunden.

Genau diese Reihenfolge verändert das Esserlebnis. Der Kohl bleibt saftig und leicht bissfest, während die Nudeln Röstaromen entwickeln und der dünne Teig nur als verbindende Basis dient. Für mich ist das der entscheidende Unterschied zu vielen vereinfachten Rezepten, bei denen alle Zutaten in einer Schüssel landen und anschließend wie ein dicker Pfannkuchen gebraten werden.

Die Spezialität entwickelte sich in Hiroshima besonders nach dem Zweiten Weltkrieg aus einfachen, sättigenden Gerichten. Zutaten wie Kohl, Eier und Nudeln machten aus wenig Grundteig eine nahrhafte Mahlzeit. Der offizielle Hiroshima-Reiseführer stellt deshalb nicht nur die Technik, sondern auch die große Vielfalt einzelner Restaurants und regionaler Varianten heraus.

Hiroshima und Osaka im direkten Vergleich

Beide Varianten gehören zur Familie des Okonomiyaki, funktionieren am Herd aber sehr unterschiedlich. Wer bisher nur die Osaka-Version kennt, sollte beim ersten Versuch nicht automatisch dieselbe Technik verwenden.

Merkmal Hiroshima-Stil Osaka-Stil
Vorbereitung Zutaten werden einzeln vorbereitet und geschichtet. Die meisten Zutaten werden vor dem Braten vermischt.
Teig Sehr dünne Teigschicht als Basis Mehr Teig, der Kohl und weitere Zutaten bindet
Nudeln Meist Yakisoba oder Udon als eigene Schicht In der klassischen Variante nicht zwingend enthalten
Textur Lockerer, höher und stärker geschichtet Kompakter und gleichmäßiger
Zubereitung Erfordert etwas mehr Koordination Für Einsteiger meist einfacher

Die Osaka-Variante ist keineswegs weniger authentisch. Sie ist einfach ein anderes Gericht. Ich würde den Hiroshima-Stil besonders empfehlen, wenn Sie Röstaromen, Nudeln und klar erkennbare Schichten mögen. Wer eine unkomplizierte Pfannkuchenmethode bevorzugt, kommt mit Osaka-Okonomiyaki schneller zum Ziel.

Die passenden Zutaten für zwei Portionen

Für die Zubereitung brauchen Sie keine exotische Spezialausstattung. Eine große beschichtete Pfanne oder ein Teppanyaki-Grill reicht aus. Entscheidend ist, dass die Fläche breit genug ist, damit sich die Schichten nicht übereinanderstapeln, bevor sie stabil sind.

  • 120 g Weizenmehl
  • 180 ml Wasser oder Dashi
  • 300 bis 350 g fein geschnittener Weißkohl
  • 80 g Bohnensprossen
  • 100 bis 120 g dünn geschnittener Schweinebauch oder Frühstücksspeck
  • 2 Eier
  • 2 Portionen Yakisoba- oder Mie-Nudeln
  • 2 bis 3 Frühlingszwiebeln
  • Okonomiyaki-Sauce
  • Mayonnaise nach Geschmack
  • Aonori oder fein geschnittene Nori-Algen
  • Etwas Öl zum Braten

In Deutschland sind Yakisoba-Nudeln, Weißkohl und dünner Schweinebauch meist leicht zu bekommen. Udon funktionieren ebenfalls, ergeben aber eine weichere und etwas schwerere Schicht. Für eine vegetarische Version können Sie das Fleisch durch Shiitake, Räuchertofu oder zusätzliche Frühlingszwiebeln ersetzen.

Bei der Sauce lohnt sich ein Kauf im Asia-Markt. Worcestersauce mit etwas Ketchup und Sojasauce kann als Ersatz dienen, schmeckt aber meist dünner und weniger fruchtig. Mayonnaise nach japanischer Art ist milder und cremiger, normale Mayonnaise funktioniert trotzdem gut.

So bauen Sie das Gericht Schritt für Schritt auf

1. Teig dünn ausbacken

Mehl und Wasser zu einem glatten, eher flüssigen Teig verrühren. Er sollte dünner sein als klassischer Pfannkuchenteig. Die Pfanne auf mittlere bis hohe Hitze bringen, leicht ölen und pro Portion ungefähr die Hälfte des Teigs zu einem Kreis von 20 bis 22 Zentimetern Durchmesser ausstreichen.

2. Kohl und Fleisch auflegen

Auf den Teig kommen zuerst Kohl, Bohnensprossen und Frühlingszwiebeln. Häufen Sie das Gemüse ruhig etwas höher auf, denn es fällt beim Garen deutlich zusammen. Danach legen Sie den Schweinebauch obenauf und lassen die Schicht etwa 4 bis 5 Minuten garen.

Wenden Sie den Gemüse-Turm nicht zu früh. Mit zwei großen Pfannenwendern klappt es besser als mit einem einzigen kleinen Wender. Nach dem Wenden liegt das Fleisch direkt auf der heißen Fläche und kann knusprig braten, während der Kohl unter dem Teigdeckel weiterdämpft.

3. Nudeln separat braten

Schieben Sie die erste Schicht vorsichtig zur Seite und braten Sie die Nudeln mit etwas Öl. Ein kleiner Schuss Wasser lockert sie, falls sie zusammenkleben. Mit etwas Okonomiyaki-Sauce gewürzt, bekommen sie die typische dunkle Farbe und einen kräftigen Geschmack.

Ich rate dazu, die Nudeln nicht zu lange zu braten. 2 bis 3 Minuten reichen meistens. Sie sollen Röstaromen bekommen, aber nicht austrocknen, weil sie später noch mit den übrigen Schichten verbunden werden.

4. Ei als verbindende Schicht

Schieben Sie die gebratenen Nudeln zu einem Kreis in der Größe des Okonomiyaki. Schlagen Sie ein Ei darüber und verteilen Sie es leicht mit dem Pfannenwender. Sobald das Ei am Rand stockt, setzen Sie den Kohl-Teig-Turm auf die Eischicht.

Nach ungefähr einer Minute können Sie das fertige Gericht noch einmal wenden. Das Ei verbindet sich dann mit den Nudeln, ohne trocken zu werden. Zu starkes Pressen ist ein häufiger Fehler, weil dadurch der Kohl Wasser verliert und die gesamte Struktur kompakt wird.

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5. Sauce und Toppings ergänzen

Das fertige Okonomiyaki mit Sauce bestreichen und mit Mayonnaise verzieren. Aonori, Frühlingszwiebeln und optional Sesam sorgen für Frische und zusätzliche Würze. Bonitoflocken sind klassisch, aber nicht zwingend erforderlich.

In Hiroshima wird das Gericht häufig direkt auf der heißen Platte serviert und mit einem kleinen Metallspatel gegessen. Zu Hause sollten Sie es kurz ruhen lassen, damit die Schichten stabiler werden. Eine Minute Wartezeit macht das Portionieren deutlich einfacher.

Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden

Der häufigste Fehler ist ein zu dicker Teig. Der Hiroshima-Stil lebt nicht von einer fluffigen Pancake-Masse, sondern von vielen dünnen, gut gegarten Lagen. Verwenden Sie deshalb lieber etwas weniger Teig und lassen Sie den Kohl die Hauptrolle spielen.

  • Zu hohe Hitze: Der Teig verbrennt, bevor der Kohl weich ist. Mittlere bis hohe Hitze ist meist ausreichend.
  • Zu viel Gemüse auf einmal: Ein sehr hoher Turm fällt beim Wenden auseinander. Schneiden Sie den Kohl fein und verteilen Sie ihn locker.
  • Ungekochte Nudeln: Trockene Nudeln saugen später Sauce und Feuchtigkeit auf. Frische oder kurz vorgekochte Nudeln sind zuverlässiger.
  • Zu frühes Wenden: Die Schichten brauchen einige Minuten, damit der Teig und das Fleisch Halt bekommen.
  • Zu viel Sauce: Eine dünne Schicht reicht. Sonst schmeckt das Gericht schnell salzig und schwer.

Auch die Pfannengröße entscheidet über den Erfolg. Bei weniger als 26 Zentimetern Durchmesser wird das Wenden schwierig. In diesem Fall bereite ich lieber zwei kleinere Portionen nacheinander zu, statt ein großes, instabiles Exemplar zu riskieren.

Varianten für Alltag, Vegetarier und Streetfood-Abende

Das Grundrezept lässt sich leicht anpassen, ohne seine Identität zu verlieren. Bei Meeresfrüchten passen Garnelen, Tintenfisch oder Muscheln gut dazu. Besonders beliebt sind auch Austern, die in der Region Hiroshima eine wichtige Rolle spielen, allerdings eine kürzere Garzeit benötigen als Schweinefleisch.

Für eine vegetarische Variante empfehle ich Shiitake, Mais, Frühlingszwiebeln und geräucherten Tofu. Der Tofu sollte vorher kräftig angebraten werden, damit er nicht nur weich in der Schichtung liegt. Wer vegan kocht, ersetzt das Ei durch eine dünne Mischung aus Kichererbsenmehl und Wasser, muss beim Wenden aber besonders vorsichtig sein.

Als unkompliziertes Streetfood für mehrere Personen können Sie Mini-Okonomiyaki mit etwa 12 bis 14 Zentimetern Durchmesser zubereiten. Sie sind leichter zu wenden, schneller gar und eignen sich gut für eine gesellige Runde. Die Sauce und Toppings stellt jeder selbst zusammen, was dem Gericht seinen Namensteil „okonomi“, also „nach persönlichem Geschmack“, praktisch erlebbar macht.

Der beste Weg zu einer gelungenen ersten Portion

Wenn Sie den Hiroshima-Stil zum ersten Mal kochen, halten Sie die Zutatenliste bewusst überschaubar. Kohl, Nudeln, Schweinebauch, Ei und Sauce zeigen am klarsten, worum es geht. Erst danach würde ich mit Käse, Kimchi oder Meeresfrüchten experimentieren.

Mein wichtigster Tipp ist ein ruhiger Arbeitsablauf. Schneiden Sie alles vor dem Braten, stellen Sie zwei Pfannenwender bereit und lassen Sie jeder Schicht ihre Zeit. Dann wird aus einem zunächst etwas unhandlichen Gemüseturm ein knuspriges, saftiges und sättigendes Streetfood-Gericht, das auch ohne Restaurant-Teppan überzeugend schmeckt.

Häufig gestellte Fragen

Beim Hiroshima-Stil werden die Zutaten geschichtet statt vermischt. Der Teig ist dünner, Yakisoba oder Udon bilden eine eigene Schicht und das Ergebnis bleibt lockerer und stärker strukturiert.

Sie benötigen unter anderem 120 g Mehl, 180 ml Wasser oder Dashi, 300 bis 350 g Weißkohl, 80 g Bohnensprossen, 100 bis 120 g Schweinebauch, zwei Eier und zwei Portionen Yakisoba- oder Mie-Nudeln. Okonomiyaki-Sauce, Mayonnaise und Aonori sorgen für den typischen Geschmack.

Lassen Sie Kohl und Fleisch zunächst etwa 4 bis 5 Minuten garen und wenden Sie die Schicht mit zwei großen Pfannenwendern. Bereiten Sie die Nudeln separat 2 bis 3 Minuten zu, geben Sie das Ei darunter und setzen Sie den Kohl-Teig-Turm darauf. Pressen Sie die Schichten nicht stark zusammen.

Für eine vegetarische Version ersetzen Sie das Fleisch durch Shiitake, Räuchertofu oder zusätzliche Frühlingszwiebeln. Für eine vegane Variante kann das Ei durch eine dünne Mischung aus Kichererbsenmehl und Wasser ersetzt werden, beim Wenden ist dann besondere Vorsicht nötig.

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Autor Isabel Thiel
Isabel Thiel
Ich bin Isabel Thiel und seit nunmehr 4 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der faszinierenden Welt der asiatischen Küche, insbesondere mit allem, was mit dem Wok zu tun hat. Meine Reise begann mit einer tiefen Neugier für die Aromen und Techniken, die diese Küche so einzigartig machen. Hier auf hotwok-wr.de teile ich meine Leidenschaft für authentische Rezepte, gebe praktische Tipps für den Wok-Einsatz und versuche, die Freude am Genuss asiatischer Gerichte weiterzugeben. Dabei lege ich Wert darauf, dass meine Erklärungen verständlich sind und die Informationen stets aktuell und nachvollziehbar bleiben.

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